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Krypto um 9: Bitcoin bei 64.400 Dollar vor Trumps Krypto-Gipfel im Weißen Haus

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Bitcoin ist am Dienstag um 2,6 Prozent auf rund 64.400 US-Dollar (etwa 55.850 Euro) gestiegen, der stärkste Tagesgewinn seit Anfang August, wie Marktdaten von CoinGecko zeigen. Der gesamte Kryptomarkt legte parallel um rund 63 Milliarden Dollar an Kapitalisierung zu. Der Auslöser liegt diesmal nicht im Chart, sondern im Kalender: Am Mittwoch, den 19. August, lädt US-Präsident Donald Trump zu einem Krypto-Gipfel ins Weiße Haus, und ein Teil des Marktes positioniert sich bereits vorher in Erwartung greifbarer Ergebnisse.

Zu dem Treffen um 14:30 Uhr Ortszeit werden neben Trump erstmals SEC-Chef Paul Atkins und CFTC-Chef Michael Selig gemeinsam erwartet, dazu Führungskräfte von Coinbase, Ripple, Chainlink, Kalshi, Polymarket, Paradigm und a16z sowie Vertreter der Digital Chamber, wie The Block berichtet. Offizieller Anlass ist der Auftakt zum ersten Treffen des neuen CFTC Innovation Advisory Committee, das einen Tag später zusammenkommt und sich mit Kryptoregulierung, Prognosemärkten und künstlicher Intelligenz befassen soll.

Warum ausgerechnet jetzt: Der Clarity Act steckt fest

Der Gipfel findet nicht zufällig in dieser Woche statt. Der Clarity Act, das zentrale Gesetzesvorhaben für eine klare US-Marktstruktur bei Kryptowerten, hängt im Senat fest. Mehrheitsführer John Thune hat eine prozedurale Abstimmung erst für den 15. September angesetzt. Der Analysedienst Galaxy Research hat die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung noch in diesem Jahr laut Berichten von Bitcoin.com auf zuletzt nur noch 10 Prozent gesenkt. Nach dem Markup im Senats-Bankenausschuss Ende Mai lag die Schätzung noch bei 75 Prozent, Anfang Juni bei 60 Prozent, Ende Juni bei 50 Prozent und nach der Vorlage eines gemeinsamen Gesetzestextes Ende Juli noch bei 30 Prozent. Streitpunkte sind unter anderem Ethikregeln gegen Interessenkonflikte von Regierungsmitgliedern im Kryptogeschäft, die Frage, ob Stablecoins Zinsen oder Rewards auszahlen dürfen, sowie Schutzklauseln für Entwickler. Je länger der Kongress blockiert, desto mehr verlagert sich die eigentliche Regelsetzung zu SEC und CFTC selbst, und genau diese Verschiebung dürfte am Mittwoch im Mittelpunkt stehen.

Ein Randthema mit Sprengkraft ist die Zuständigkeit für Prognosemärkte wie Kalshi und Polymarket, auf denen Nutzer auf politische Ereignisse, Wahlen oder Wirtschaftsdaten wetten können. Auf der Agenda steht laut Berichten ausdrücklich die Frage, welche Rolle Bundes- und Bundesstaatsbehörden künftig bei der Aufsicht dieser Plattformen spielen sollen. Trump hatte sich bereits im Mai über seinen Kurznachrichtendienst Truth Social dafür ausgesprochen, dass die CFTC hier die alleinige Zuständigkeit erhalten solle, und nannte das „critically important“. Bemerkenswert: Sein Sohn Donald Trump Jr. ist als strategischer Berater und Investor sowohl bei Kalshi als auch bei Polymarket engagiert, ein Interessenkonflikt, der in der US-Berichterstattung inzwischen offen benannt wird.

Das Warnsignal hinter der Rally

Der Kursanstieg selbst hat eine Kehrseite, die Trader genau beobachten. Die Funding-Rate für Bitcoin-Futures bei Binance erreichte laut Marktberichten ihren höchsten Stand seit 20 Monaten, zuletzt vergleichbar im Dezember 2024. Eine stark positive Funding-Rate bedeutet, dass long positionierte Trader hohe Gebühren an Short-Seller zahlen, weil deutlich mehr Kapital auf steigende Kurse wettet als dagegen. Gleichzeitig wurden Short-Positionen im Umfang von rund 125 der insgesamt 213 Millionen Dollar an Liquidationen zwangsweise geschlossen. Das treibt den Kurs kurzfristig zusätzlich nach oben, macht den Markt aber auch anfälliger für eine scharfe Gegenbewegung, sollte der Gipfel keine konkreten Ergebnisse liefern.

Was das für deutsche Anleger bedeutet

Für Anleger hierzulande ist der Gipfel selbst kein europäisches Ereignis, MiCA und die BaFin-Aufsicht ändern sich dadurch nicht direkt. Trotzdem strahlt die US-Debatte in beide Richtungen aus. Erstens hängt ein erheblicher Teil der globalen Liquidität und der ETF-Zuflüsse in Bitcoin und Ethereum an der US-Regulierung, jede Aussage zu klareren oder unklareren Zuständigkeiten wirkt sich unmittelbar auf Kurse aus, die auch deutsche Depots betreffen. Zweitens könnte ein Präzedenzfall bei Prognosemärkten mittelfristig auch europäische Anbieter und Nutzer von Wett- und Vorhersageplattformen beeinflussen, falls sich ein regulatorisches Modell aus den USA als exportfähig erweist.

Konkret zu beobachten bleibt, ob Trump am Mittwoch lediglich eine Grundsatzrede hält oder tatsächlich eine Executive Order beziehungsweise einen klaren Fahrplan für SEC und CFTC ankündigt. Bleibt es bei Symbolpolitik, dürfte die überhitzte Funding-Rate schnell zum Risiko werden. Liefert der Gipfel dagegen greifbare Ergebnisse, könnte er trotz des blockierten Clarity Act zum eigentlichen Wendepunkt der US-Kryptoregulierung in diesem Jahr werden.


Quellen

Disclaimer

Keine Anlageberatung: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information. Kryptowährungen sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Politische Ankündigungen und regulatorische Signale können kurzfristig zu starken Kursschwankungen führen.

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