Reporterin mit Hardware-Wallet in einem Wahlabend-Pressezentrum
Wahlabend-Pressezentrum mit digitalem Finanzbezug / KI-Symbolbild

Nach dem Wahlerfolg – was hält die AfD von Kryptowährungen?

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Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit rund 44 Prozent deutlich gewonnen und ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppelt. Die absolute Mehrheit verfehlte sie nach dem vorläufigen Ergebnis dennoch. Der Wahlerfolg rückt nun auch Positionen der Partei in den Blick, die im Wahlkampf kaum eine Rolle spielten. Dazu gehört ihre ungewöhnlich klare Haltung zu Bitcoin.

Die kurze Antwort lautet, dass die AfD Bitcoin ausdrücklich begrüßt, einen digitalen Euro ablehnt und bei Regulierung sowie Besteuerung Zurückhaltung fordert. Eine pauschale Unterstützung sämtlicher Kryptowährungen lässt sich daraus aber nicht ableiten. Die programmatischen Aussagen konzentrieren sich fast vollständig auf Bitcoin.

Bitcoin als staatsfreies Geld

Im Bundestagswahlprogramm 2025 bezeichnet die AfD Bitcoin als staatsfreies Geld und als begrüßenswerten Kandidaten im Wettbewerb der Währungen. Nach Auffassung der Partei erfüllt Bitcoin wegen seiner hohen Marktkapitalisierung und seines Umlaufs inzwischen die meisten Geldfunktionen.

Diese Position ist stärker libertär geprägt als die Krypto-Aussagen der meisten anderen im Bundestag vertretenen Parteien. Im Mittelpunkt stehen nicht Blockchain-Förderprogramme oder staatlich beaufsichtigte Tokenmärkte, sondern die Unabhängigkeit des Einzelnen von Banken und Zentralbanken.

Deregulierung von Bitcoin und Handelsplätzen

Die AfD fordert eine weitgehende Deregulierung von Bitcoin, Wallets und Handelsplätzen. In einem Bundestagsantrag aus dem Jahr 2025 verlangte die Fraktion, Bitcoin von regulatorischen und steuerlichen Belastungen zu befreien. Bitcoin unterscheide sich durch Dezentralität, Begrenzung und fehlende zentrale Steuerung grundlegend von anderen Krypto-Assets.

Die Partei spricht sich deshalb dafür aus, Bitcoin aus dem Anwendungsbereich der europäischen MiCA-Regeln herauszuhalten. Praktisch ist die Lage komplizierter. Bitcoin besitzt keinen klassischen Emittenten, doch Börsen, Verwahrer und andere Dienstleister rund um Bitcoin fallen unter europäische Vorgaben. Eine Landesregierung kann diese EU-Regeln nicht verändern.

Eigenverwahrung soll geschützt bleiben

Besonders deutlich ist die AfD beim Recht auf Selbstverwahrung. Nutzer sollen Bitcoin in einer eigenen Wallet halten dürfen, ohne ihre Coins zwingend bei einer Bank oder Kryptobörse hinterlegen zu müssen. Eine parlamentarische Anfrage der AfD beschäftigte sich 2025 ausdrücklich mit der Absicherung selbstverwalteter Wallets.

Für Bitcoin-Anleger ist das ein wichtiger Punkt. Selbstverwahrung verhindert zwar nicht Kursverluste, reduziert aber die Abhängigkeit von einem zentralen Anbieter. Gleichzeitig trägt der Besitzer die volle Verantwortung für Seed Phrase, private Schlüssel und sichere Übertragungen.

Die AfD will die heutigen Steuervorteile erhalten

Die Partei setzt sich für die Beibehaltung der Umsatzsteuerfreiheit von Bitcoin-Transaktionen ein. Außerdem soll die einjährige Haltefrist für private Veräußerungsgeschäfte erhalten bleiben. Nach Ablauf dieser Frist können Gewinne im Privatvermögen unter den geltenden Voraussetzungen steuerfrei sein.

Andere Parteien sehen darin teilweise eine ungerechtfertigte Begünstigung. In einer Bundestagsdebatte forderten die Grünen, diese aus ihrer Sicht bestehende Kryptolücke zu schließen. Die AfD vertritt das Gegenmodell und betrachtet niedrige steuerliche Hürden als Teil finanzieller Freiheit.

Klare Ablehnung des digitalen Euro

Während die AfD Bitcoin positiv bewertet, lehnt sie eine digitale Zentralbankwährung der Europäischen Zentralbank ab. Sie warnt vor Überwachung, programmierbaren Einschränkungen und einer schleichenden Verdrängung des Bargelds. Die Fraktion beantragte im Bundestag, die Einführung eines digitalen Euro zu stoppen und darüber eine Volksabstimmung abzuhalten.

EU-Kommission und EZB stellen den digitalen Euro dagegen als Ergänzung zum Bargeld dar. Nach ihren Plänen soll er kein anonymes Kryptogeld, sondern eine digitale Form von Zentralbankgeld werden. Die politische Trennlinie verläuft damit deutlich zwischen staatlich herausgegebenem Digitalgeld und dezentralem Bitcoin.

Bargeld, Gold und Bitcoin als gemeinsames Freiheitsbild

Die AfD verbindet Bitcoin programmatisch mit Bargeld und Edelmetallen. Alle drei sollen aus ihrer Sicht Schutz vor Geldentwertung und staatlicher Kontrolle bieten. Im Bundestag bezeichnete der AfD-Abgeordnete Dirk Brandes Bitcoin als digitales Gold.

Die Gemeinsamkeiten sind jedoch begrenzt. Bargeld besitzt gesetzlichen Annahmestatus und funktioniert ohne Strom. Gold ist ein physischer Vermögenswert. Bitcoin ist digital, transparent auf einer öffentlichen Blockchain und stark kursabhängig. Politische Schlagworte ersetzen diese Unterschiede nicht.

Was die Position für Anleger bedeuten könnte

  • Mehr Selbstverwahrung – Eigene Wallets sollen rechtlich geschützt und nicht zugunsten zentraler Verwahrer verdrängt werden.
  • Weniger Regulierung – Börsen und Dienstleister könnten geringere Hürden erhalten, zugleich könnten Teile des Anlegerschutzes schwächer ausfallen.
  • Steuerliche Kontinuität – Die heutige einjährige Haltefrist und die Umsatzsteuerfreiheit sollen bestehen bleiben.
  • Kein digitaler Euro – Die AfD würde staatliches Digitalgeld politisch bekämpfen und Bitcoin als Alternative hervorheben.
  • Kein Freibrief für Altcoins – Aus der positiven Bitcoin-Haltung folgt keine Unterstützung für Memecoins, Stablecoins oder andere Token.

Der Wahlsieg ändert die Kryptopolitik nicht sofort

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt verleiht der AfD politisches Gewicht, verändert aber weder das deutsche Steuerrecht noch die europäische MiCA-Verordnung. Dafür wären Entscheidungen auf Bundes- und EU-Ebene nötig. Auch die mögliche Regierungsbildung im Land war am Montagmorgen offen.

Für Anleger ist der Wahlerfolg deshalb zunächst ein politisches Signal. Sollte die AfD ihren Einfluss im Bund ausbauen, würde sie voraussichtlich für eine bitcoinfreundlichere Steuer- und Regulierungspolitik werben. Wie weit sich diese Forderungen in Koalitionen oder gegenüber dem EU-Recht durchsetzen ließen, bleibt eine andere Frage.

Das Fazit

Die AfD ist keine allgemeine Kryptopartei, aber eine klar bitcoinfreundliche Partei. Ihr Leitbild lautet Selbstverwahrung, geringe Besteuerung, wenig Regulierung, Bargelderhalt und Ablehnung des digitalen Euro. Das kann Freiheit und Innovation fördern, bringt bei schwächerer Aufsicht jedoch auch Risiken für Verbraucher mit sich.


Quellen

Disclaimer

Keine Anlageberatung: Dieser Artikel dient der journalistischen Information und politischen Einordnung. Er ist weder Wahlempfehlung noch Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Kryptowährungen. Kryptowerte können erheblich schwanken und vollständig an Wert verlieren.

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