Der Kryptomarkt bleibt nach dem Angriff auf Binance unter Druck. Bitcoin notierte am Freitagmorgen um 8:14 Uhr (Berliner Zeit) bei rund 78.380 Dollar (etwa 70.080 Euro) – ein Minus von knapp 2 Prozent in 24 Stunden, so die Daten von CoinGecko. Zwischenzeitlich war der Kurs laut CoinGecko bis auf etwa 76.440 Dollar gefallen. Die Auszahlungen bei Binance sind Stand 8:14 Uhr weiter geschlossen; die Börse hält an ihrer Ankündigung fest, sie binnen 48 Stunden wieder zu öffnen.
Auszahlungen weiter zu – Frist bis Sonntagmorgen
Binance-Mitgründerin und Co-Chefin Yi He schrieb am Freitag gegen 5:17 Uhr Berliner Zeit, man erwarte, die Auszahlungen „in den nächsten 48 Stunden“ wieder aufzunehmen. Der offizielle Binance-Account bestätigte das kurz darauf und wiederholte: Die Auszahlungen bleiben pausiert, solange das Team den Auszahlungsdienst und die zugehörigen Adressen sicherheitstechnisch überarbeitet. Einzahlungen laufen laut Yi He und Binance normal. Bis 8:14 Uhr gab es keine neue Mitteilung, dass Auszahlungen wieder möglich wären.
Wichtig für Kunden: Das ist eine Erwartung, keine Garantie. Branchenbeobachter wie das Portal FinanceFeeds rechnen mit einer schrittweisen Öffnung – Netzwerk für Netzwerk und anfangs womöglich mit niedrigeren Limits. Wer größere Beträge abziehen will, sollte sich auf Wartezeiten einstellen. Bemerkenswert bleibt zudem ein Widerspruch: In früheren Mitteilungen hatte Binance auch Einzahlungen als ausgesetzt bezeichnet. Welche Darstellung stimmt, hat die Börse bislang nicht aufgeklärt. Die Frist aus Yi Hes Aussage läuft bis etwa Sonntagmorgen, 1. November.
Breiter Ausverkauf – BNB besonders unter Druck
Laut CoinGecko verlor der gesamte Kryptomarkt binnen 24 Stunden rund 4,2 Prozent an Wert und kommt nun auf etwa 2,65 Billionen Dollar. Ether fiel um rund 2,6 Prozent auf etwa 2.248 Dollar, XRP um gut 2 Prozent auf 1,26 Dollar, Solana um rund 1,8 Prozent auf knapp 98 Dollar. Am stärksten traf es BNB, die hauseigene Kryptowährung von Binance: minus gut 4,8 Prozent auf rund 714 Dollar (Stand jeweils 8:14 Uhr).
Verstärkt wurde der Rückgang durch Anleger mit Hebelprodukten. Nach Angaben von CoinDesk wurden marktweit gehebelte Positionen im Wert von rund 1,5 Milliarden Dollar zwangsweise geschlossen, überwiegend Wetten auf steigende Kurse.
Was bislang zum Angriff bekannt ist
Nach Binance-Angaben sind Vermögenswerte im Umfang von rund 6,3 Milliarden Dollar betroffen. Rund 3 Milliarden Dollar sind bereits eingefroren, unter anderem bei den Stablecoin-Herausgebern Tether und Circle – Stablecoins sind an den Dollar gekoppelte Kryptowährungen. Für den Rest will die Börse mit ihrem Notfallfonds SAFU und eigenen Mitteln einstehen. Die erste Untersuchung deutet laut Binance auf den kompromittierten Laptop eines DevOps-Ingenieurs hin; Hinweise auf gestohlene Wallet-Privatschlüssel habe man bislang nicht gefunden.
Laut CoinDesk hat der Angreifer etwa 18.270 Bitcoin im Wert von rund 1,4 Milliarden Dollar auf 19 Wallets aufgeteilt – Beträge, die sich nicht einfach einfrieren lassen, weil Bitcoin keinen zentralen Herausgeber hat. Die Blockchain-Analysefirma TRM Labs führt den Angriff mit hoher Zuversicht auf die nordkoreanische Hackergruppe TraderTraitor zurück; auch Chainalysis sieht laut CNBC Hinweise in diese Richtung. Binance selbst hat diese Zuordnung bislang nicht bestätigt.
Was die Analysten sagen
Geoffrey Kendrick, Leiter der Krypto-Analyse bei Standard Chartered, rechnet kurzfristig mit weiteren Kursverlusten. „Erst wenn die Vermögenswerte wieder freigegeben sind und mehr Details zum Hack bekannt werden, finden wir eine neue Basis“, schrieb er laut Cointelegraph. Langfristig sieht er in dem Angriff einen Schub für dezentrale Börsen – Handelsplätze ohne zentralen Betreiber, auf denen Nutzer direkt aus der eigenen Wallet handeln.
Etwas Entwarnung kommt von Fundstrat-Stratege Sean Farrell: Der Vorfall stelle derzeit kein nennenswertes Zahlungsfähigkeitsrisiko für Binance dar, sagte er dem Sender CNBC. Farrell beziffert SAFU auf rund 1,2 Milliarden Dollar. Entscheidend sei, wie schnell Binance die Auszahlungen wieder öffnet und ob die Abflüsse danach geordnet verlaufen. Sollte Binance Reserven verkaufen müssen, könnte das den Markt zusätzlich belasten.
Was das für Anleger bedeutet
Kurzfristig dürfte der Markt nervös bleiben, bis klar ist, ob Binance den Zeitplan einhält. Ein wichtiges Signal wäre der angekündigte aktualisierte Reservenachweis, mit dem Binance belegen will, dass alle Kundenguthaben gedeckt sind. Binance-Kunden sollten Neuigkeiten nur über die offiziellen Kanäle verfolgen: Nach großen Hacks häufen sich gefälschte „Support“-Nachrichten, die Zugangsdaten abgreifen wollen.
Quellen
- Binance: Security Incident Update
- Yi He (X): Service Update, Auszahlungen binnen 48 Stunden
- Binance (X): Auszahlungen weiter pausiert
- FinanceFeeds: Binance Withdrawals to Resume Within 48 Hours
- CoinDesk: Binance hack sends bitcoin, ether tumbling
- CoinDesk: Hacker splits ~18.270 Bitcoin into 19 wallets
- Cointelegraph: Binance hack could accelerate shift to DEXs – Standard Chartered
- CNBC: Binance’s $6.3 billion hack – What we know and what comes next
- CoinGecko: Kursdaten, Stand 30.10.2026, 8:14 Uhr
Keine Anlageberatung: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Kryptowährungen dar.


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