Anonyme Vermittler übergeben in einem Wechselbüro einen Umschlag, während digitale Zahlungswege geprüft werden
Finanzvermittlung zwischen Bargeld und digitalen Zahlungswegen / KI-Symbolbild

Kryptowährungen und Schleusernetzwerke: Wie Bitcoin, Stablecoins und Hawala zusammenspielen

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Kryptowährungen werden zunehmend Teil der Zahlungsinfrastruktur internationaler Schleusernetzwerke. Europol beobachtet Überweisungen von Schleusergebühren, Zahlungen an Helfer und den Umtausch zwischen Krypto und Bargeld. Die verfügbaren Daten zeigen aber auch: Bargeld und das informelle Hawala-System sind weiterhin bedeutender.

Wer über Kryptowährungen und irreguläre Migration spricht, muss zunächst sauber trennen. Migrantenschmuggel bezeichnet die gegen Bezahlung organisierte unerlaubte Einreise oder Weiterreise. Menschenhandel setzt dagegen die Ausbeutung von Personen voraus. Beides kann sich überschneiden, ist rechtlich und tatsächlich aber nicht dasselbe.

Ebenso wichtig: Die Nutzung digitaler Vermögenswerte durch einzelne Schleusernetzwerke bedeutet nicht, dass Migranten generell Kryptowährungen für Straftaten verwenden. Im Mittelpunkt stehen kriminelle Dienstleister, Zahlungswege und die Verschiebung ihrer Gewinne.

Wofür Schleuser Kryptowährungen einsetzen

Der jüngste Jahresbericht des Europäischen Zentrums zur Bekämpfung der Migrantenschleusung bei Europol beschreibt eine wachsende Nutzung von Kryptowährungen. Demnach werden damit Schleusergebühren übertragen und untergeordnete Helfer bezahlt. Einige Netzwerke arbeiten mit Kryptobrokern, Bargeldkurieren oder Dienstleistern, die digitale Vermögenswerte wieder in Bargeld umwandeln.

  • Schleusergebühren: Zahlungen können über Ländergrenzen hinweg an Organisatoren weitergeleitet werden.
  • Provisionen: Fahrer, Vermittler oder lokale Helfer lassen sich dezentral bezahlen.
  • Gewinnverschiebung: Erlöse werden zwischen Wallets, Brokern, Bargeld und informellen Zahlungssystemen bewegt.
  • Erpressung: In besonders gewalttätigen Strukturen können auch Lösegeldforderungen an Migranten oder ihre Familien digital abgewickelt werden.

Die entscheidende Schnittstelle heißt Hawala

In vielen Fällen ersetzt Krypto das traditionelle Hawala-System nicht, sondern ergänzt es. Bei Hawala zahlt eine Person Geld bei einem Vermittler ein. Ein Partner an einem anderen Ort zahlt den entsprechenden Betrag an den Empfänger aus. Die beteiligten Vermittler gleichen ihre Forderungen später untereinander aus.

Europol berichtet, dass manche Hawala-Strukturen inzwischen Kryptowährungen in diesen internen Ausgleich integrieren. Für den Kunden kann die Zahlung weiterhin wie eine Bargeldtransaktion wirken, während im Hintergrund ein Teil des Werts über eine Blockchain übertragen wird. Genau diese Kombination erschwert einfache Aussagen darüber, welcher Anteil der Schleuserumsätze tatsächlich in Krypto fließt.

Warum digitale Vermögenswerte attraktiv sind

Digitale Vermögenswerte lassen sich rund um die Uhr und ohne physischen Bargeldtransport übertragen. Zahlungen können auf mehrere Wallets verteilt, schnell weitergeleitet und in anderen Ländern wieder in lokale Währungen umgetauscht werden. Stablecoins bieten zusätzlich einen relativ stabilen Gegenwert zum US-Dollar und können deshalb für grenzüberschreitende Abrechnungen praktischer sein als stark schwankende Kryptowährungen.

Soziale Medien und verschlüsselte Messenger erfüllen eine andere Funktion. Nach Angaben von Europol dienen sie vor allem der Werbung, Kontaktaufnahme, Rekrutierung und Koordination. Die Kryptowährung ist anschließend nur einer von mehreren möglichen Zahlungswegen.

Bargeld bleibt wichtiger als Bitcoin

Die vorhandenen Behördenberichte liefern keine belastbare Prozentzahl für den Kryptoanteil am Geschäft mit der Migrantenschleusung. Die Financial Action Task Force kam in ihrer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass virtuelle Vermögenswerte zwar auftauchen, aber noch keine weitverbreitete Typologie darstellen. Auch Europol betont in seiner allgemeinen Analyse krimineller Kryptofinanzen, dass Bargeld und andere Zahlungsformen weiterhin einen deutlich größeren Teil der kriminellen Wirtschaft ausmachen.

Die seriöse Schlussfolgerung lautet deshalb nicht, Bitcoin sei zum Hauptzahlungsmittel der Schleuser geworden. Richtig ist: Krypto gewinnt als ergänzendes Werkzeug professioneller, international arbeitender Netzwerke an Bedeutung.

Öffentliche Blockchains hinterlassen Spuren

Bitcoin ist pseudonym, aber nicht vollständig anonym. Überweisungen bleiben dauerhaft auf der Blockchain sichtbar. Ermittler können Transaktionsketten analysieren und Wallets mit realen Personen verbinden, wenn sie beispielsweise Daten einer regulierten Kryptobörse, beschlagnahmte Telefone oder Unterlagen eines Vermittlers erhalten.

Kriminelle versuchen die Nachverfolgung durch zahlreiche Wallets, verschiedene Blockchains, nicht regulierte Anbieter oder den wiederholten Wechsel zwischen Bargeld und Krypto zu erschweren. Gerade die Schnittstellen, an denen digitale Vermögenswerte gekauft oder verkauft werden, können Ermittlern jedoch Ansatzpunkte liefern.

Was die Entwicklung für Regulierung und Anleger bedeutet

Für Behörden wird die Zusammenarbeit mit Kryptobörsen, Blockchain-Analysten und ausländischen Ermittlern wichtiger. Die FATF verlangt deshalb von Anbietern digitaler Vermögenswerte vergleichbare Regeln zur Kundenprüfung und Geldwäscheprävention wie von klassischen Finanzdienstleistern.

Für Anleger ist die Entwicklung kein Beleg dafür, dass Kryptowährungen überwiegend kriminell genutzt werden. Sie zeigt vielmehr, dass dieselben Eigenschaften – schnelle internationale Übertragung und offene technische Infrastruktur – sowohl legitime als auch illegale Anwendungen ermöglichen. Entscheidend sind regulierte Zugänge, nachvollziehbare Zahlungsströme und eine präzise Strafverfolgung statt pauschaler Verdächtigungen.

Quellen

Disclaimer

Dieser Beitrag beschreibt Erkenntnisse von Strafverfolgungs- und Aufsichtsbehörden über kriminelle Schleusernetzwerke. Er erlaubt keine pauschalen Rückschlüsse auf Migranten oder auf die allgemeine Nutzung von Kryptowährungen. Begriffe und Zahlen sind im Kontext der jeweils verlinkten Quellen zu verstehen.

Kommentare

Ein Kommentar zu „Kryptowährungen und Schleusernetzwerke: Wie Bitcoin, Stablecoins und Hawala zusammenspielen“

  1. […] neben Bargeld und dem informellen Hawala-System zunehmend auch Kryptowährungen ein. Wie eine Analyse der Coinzeitung zusammenfasst, werden Bitcoin, Stablecoins und Kryptobroker vor allem dort relevant, wo Geld […]

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