Mitarbeiter legt einen Untersuchungsbericht auf den Zeugentisch eines US-Senatsaals
Untersuchungsbericht wird in einem Senatssaal bereitgelegt / KI-Symbolbild

US-Senat erhebt schwere Vorwürfe – Tether soll Irans Schattenbanken stützen

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Ein neuer Bericht aus dem US-Senat rückt den größten Stablecoin der Welt in ein gefährliches Licht. USDT von Tether soll zu einer bevorzugten Zahlungsroute iranischer Sanktionsnetzwerke geworden sein. Tether weist das Bild eines untätigen Emittenten zurück und hält dagegen, allein 2026 an der Sperrung Iran-verbundener Guthaben im Wert von rund 550 Millionen Dollar mitgewirkt zu haben.

84 Prozent der untersuchten Wallets setzten vor allem auf USDT

Der 28 Seiten starke Bericht stammt von den demokratischen Mitarbeitern des Ständigen Unterausschusses für Untersuchungen im US-Senat unter Senator Richard Blumenthal. Es handelt sich damit nicht um einen parteiübergreifend beschlossenen Untersuchungsbericht. Die Autoren analysierten nach eigenen Angaben 846 Wallets, die von US-amerikanischen oder israelischen Behörden wegen Verbindungen zum Iran oder zu dessen regionalen Verbündeten sanktioniert oder für eine Beschlagnahme vorgesehen worden waren.

Das Ergebnis ist brisant. 84 Prozent dieser Wallets hätten ausschließlich oder nahezu ausschließlich USDT verwendet. In einer Teilmenge von 757 Wallets, die mit Terrorfinanzierung in Verbindung gebracht wurden, soll der Anteil sogar bei 87 Prozent gelegen haben. Der Bericht bezeichnet Tether deshalb als eine bedeutende finanzielle Lebensader innerhalb des iranischen Schattenbankensystems.

Die Untersuchung wirft dem Unternehmen nicht vor, selbst Geld an Iran oder verbundene Gruppen überwiesen zu haben. Der Vorwurf lautet vielmehr, Tether habe auffällige oder bereits öffentlich benannte Adressen teilweise nicht schnell genug gesperrt. In einem untersuchten Fall sollen nach einer Sanktionierung noch rund 34,6 Millionen Dollar abgeflossen sein, bevor die betreffenden Guthaben blockiert wurden.

Tether hält mit eingefrorenen Millionen dagegen

Tether veröffentlichte am selben Tag eine ausführliche Gegenposition. Das Unternehmen betont seine Zusammenarbeit mit mehr als 340 Strafverfolgungsbehörden in 67 Ländern. Allein in diesem Jahr hätten Maßnahmen rund um Iran-verbundene USDT-Adressen zur Sperrung von etwa 550 Millionen Dollar geführt. Darunter seien mehr als 344 Millionen Dollar im April und weitere 130 Millionen Dollar im Juli gewesen.

Firmenchef Paolo Ardoino argumentiert, öffentliche Blockchains machten Geldströme für Ermittler sichtbarer als Bargeld. Tether könne Guthaben einfrieren, sobald belastbare Informationen von Behörden vorlägen. Genau diese Fähigkeit unterscheidet USDT allerdings von Bitcoin. Während Bitcoin-Transaktionen nicht von einer zentralen Firma gestoppt werden können, besitzt Tether die technische Kontrolle über eine Sperrliste.

Der eigentliche Aufreger ist die Macht des Emittenten

Die Auseinandersetzung zeigt ein Grundproblem zentral ausgegebener Stablecoins. Dieselbe Eingriffsmöglichkeit, die Ermittler bei Betrug und Terrorfinanzierung begrüßen, macht Nutzer von Entscheidungen eines einzelnen Unternehmens und staatlicher Stellen abhängig. Wird eine Wallet auf eine Sperrliste gesetzt, können die Token darin wertlos und unbeweglich werden, obwohl die Blockchain selbst weiterläuft.

Der Senatsbericht fordert die US-Justiz und das Finanzministerium auf, Tethers Sanktionskontrollen genauer zu untersuchen. Bislang ist daraus weder eine Anklage noch eine konkrete Maßnahme gegen das Unternehmen entstanden. Die Zahlen sind zudem Ergebnisse einer demokratisch geführten Minderheitsuntersuchung. Anleger sollten die Vorwürfe deshalb ernst nehmen, aber nicht so behandeln, als sei ein Rechtsverstoß bereits gerichtlich festgestellt.

Was das für deutsche USDT-Nutzer bedeutet

Für deutsche Anleger entsteht zunächst kein unmittelbarer Handlungszwang. USDT hielt seine Bindung an den Dollar und Tether meldete keine Probleme bei Rücklagen oder Rücknahmen. Das größere Risiko liegt derzeit auf der regulatorischen Seite. Sollten US-Behörden strengere und schnellere Sperrpflichten verlangen, könnten Börsen ihre Prüfungen verschärfen und Einzahlungen aus bestimmten Wallets häufiger zurückhalten.

Auch die Wahl des Netzwerks schützt nicht vor einer Sperre. USDT läuft unter anderem auf Ethereum und Tron, doch die zentrale Kontrolle liegt beim Emittenten. Wer größere Beträge länger in Stablecoins hält, sollte deshalb nicht nur auf den Dollarpreis schauen. Wichtig sind auch Gegenparteirisiko, Rechtsraum, Rücklagen, Einlösbarkeit und die Möglichkeit einer administrativen Blockade.

Für den Kryptomarkt ist der Fall größer als ein weiterer politischer Schlagabtausch. USDT stellt einen erheblichen Teil der Handelsliquidität auf internationalen Börsen. Eine harte Einschränkung in den USA könnte Handelsplätze, DeFi-Protokolle und Marktpaare treffen, selbst wenn der Token seinen Dollarwert hält. Gleichzeitig dürfte Tether seine Kooperation mit Behörden noch offensiver ausbauen, um einen solchen Eingriff zu vermeiden.


Quellen

Disclaimer

Keine Anlageberatung: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information. Kryptowährungen und Stablecoins können regulatorische, technische und wirtschaftliche Risiken bergen. Verluste sind möglich.

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