Die Kryptobranche hat bei den US-Zwischenwahlen (Midterms) viel Geld eingesetzt – und verloren. Die Demokraten haben nach Angaben der Nachrichtenagentur AP die Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus gewonnen und kontrollieren damit künftig beide Kammern des Kongresses. Bitcoin reagierte in der Nacht nervös, hat den Rücksetzer bis zum Morgen aber fast vollständig wieder aufgeholt.
Kurzer Schreck in der Wahlnacht
Am späten Dienstagabend (US-Zeit) stand Bitcoin noch knapp unter 78.000 Dollar. Als die ersten Ergebnisse auf einen Erfolg der Demokraten in beiden Kammern hindeuteten, fiel der Kurs laut CoinDesk um mehr als 2.000 Dollar auf rund 75.700 Dollar – nach CoinDesk-Angaben zwischenzeitlich der tiefste Stand seit Mitte September. Parallel gaben die Futures auf den Nasdaq 100 zeitweise um 2,3 Prozent nach, die auf den S&P 500 um 1,3 Prozent. Auch der Dollar schwächte sich ab, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank auf 4,90 Prozent.
Inzwischen hat sich die Lage beruhigt: Laut CoinGecko kostet ein Bitcoin am Mittwochmorgen (7:50 Uhr MEZ) rund 77.850 Dollar beziehungsweise 69.310 Euro, ein Plus von 1,8 Prozent gegenüber dem Vortag. Ether notiert bei etwa 2.290 Dollar (+2,2 Prozent), XRP bei 1,27 Dollar (+2,1 Prozent) und Solana bei knapp 93 Dollar (+1,6 Prozent).
63 Millionen Dollar gegen einen Kritiker – vergeblich
Besonders bitter für die Branche ist das Ergebnis in Ohio. Dort gewann laut Cointelegraph der Demokrat Sherrod Brown, ein langjähriger Krypto-Kritiker, gegen den republikanischen Amtsinhaber Jon Husted. Krypto-nahe Gruppen hatten rund 63 Millionen Dollar in dieses Rennen gesteckt, davon etwa 56 Millionen vom Super-PAC Fairshake – so viel wie in keinen anderen Wahlkampf. Insgesamt flossen aus dem Kryptolager laut Tokenist mehr als 200 Millionen Dollar in diesen Wahlzyklus, überwiegend zugunsten republikanischer Kandidaten.
Auch mehrere Demokraten in traditionell republikanischen Staaten wie Texas, North Carolina, Kansas und Iowa setzten sich durch. Den Senat sicherten die Demokraten laut AP mit dem Sieg von Josh Turek in Iowa.
Was das für die Krypto-Regulierung bedeutet
Im Zentrum steht der CLARITY Act, das Gesetz, das regeln soll, wann ein Krypto-Token unter die Börsenaufsicht SEC und wann unter die Terminmarktaufsicht CFTC fällt. Das Repräsentantenhaus hatte es im Juli 2025 verabschiedet, im Senat scheiterte im September eine Abstimmung mit 49 zu 50 Stimmen – nötig wären 60 gewesen. Gesetze, die bis zum Ende der laufenden Sitzungsperiode am 3. Januar nicht beschlossen sind, verfallen. Ein neuer Kongress müsste von vorn beginnen.
Unter demokratischer Führung dürfte das schwieriger werden. Laut CoinDesk forderten die Demokraten schon in den bisherigen Verhandlungen strengere Regeln gegen Geldwäsche, mehr Verbraucherschutz und Grenzen für Regierungsmitglieder, die selbst im Kryptogeschäft aktiv sind – gemeint ist vor allem Präsident Trump. Als wahrscheinlich gilt zudem, dass Senatorin Elizabeth Warren, eine der schärfsten Kritikerinnen der Branche, den Bankenausschuss des Senats übernimmt. Lobbyisten hoffen laut CoinDesk dennoch auf Fortschritte bei kleineren Themen wie der Besteuerung von Kryptowährungen.
Einordnung für Anleger
Die schnelle Erholung zeigt: Der Markt hatte einen Sieg der Demokraten weitgehend erwartet – Prognosemärkte wie Kalshi und Polymarket sahen sie schon vor der Wahl klar vorn. Kurzfristig dürfte der Blick daher wieder auf die Geldflüsse in die Bitcoin-ETFs, die Fed und die Stimmung an den Technologiebörsen gehen. Mittelfristig verliert die Branche in Washington aber Rückenwind: Das umfassende Regelwerk für den US-Kryptomarkt rückt in die Ferne, und Krypto-Geschäfte aus Trumps Umfeld könnten stärker in den Fokus von Untersuchungen geraten.
Ein Blick in die Vergangenheit ist nur bedingt hilfreich: Laut Daten von Binance Research legte Bitcoin nach früheren Zwischenwahlen im Schnitt um 54 Prozent zu – allerdings beruht dieser Wert auf nur drei Wahlen.
Quellen
- AP: Democrats win the US House, taking full control of Congress
- CoinDesk: Bitcoin briefly sinks to $75,700 as bets on a Democratic sweep rattle markets
- CoinDesk: Democrats surge toward Senate, House majorities, with crypto braced for new direction
- CoinDesk: Live-Blog zur Wahl 2026
- Cointelegraph: US midterms election 2026 live
- BeInCrypto: US Midterm 2026 Results: Democrats Win Congress as US Futures and BTC Whipsaw
- Tokenist: Bitcoin at $76K as a Democratic Sweep Threatens Crypto Laws
- CoinGecko: Kursdaten (4. November 2026, 7:50 Uhr MEZ)
Keine Anlageberatung: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information. Kryptowährungen sind sehr schwankungsanfällig, ein Totalverlust ist möglich.


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