Pendler verfolgen am Morgen die Kursentwicklung an einem Nachrichtenkiosk
Pendler verfolgen am Morgen die Kursentwicklung / KI-Symbolbild

Krypto am Morgen – Bitcoin wartet auf den 15-Milliarden-Dollar-Test

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Der Kryptomarkt startet ruhig in den Freitag, doch die Gelassenheit könnte täuschen. Bitcoin notiert am frühen Morgen bei rund 84.400 Dollar und bewegt sich auf 24-Stunden-Sicht kaum. Bereits um 10 Uhr deutscher Zeit steht jedoch eine der größten Optionsabrechnungen des Quartals an.

Auf der Derivatebörse Deribit laufen Bitcoin-Optionen mit einem offenen Nominalwert von knapp 15 Milliarden Dollar aus. Solche Termine erzwingen keine bestimmte Kursrichtung. Sie können aber den Markt neu sortieren, sobald Absicherungen aufgelöst und neue Positionen aufgebaut werden.

Bitcoin hält sich nach der Wochenrally

Laut CoinGecko lag Bitcoin gegen 8 Uhr bei etwa 84.400 Dollar. Die Handelsspanne der vergangenen 24 Stunden reichte ungefähr von 82.940 bis 84.840 Dollar. Auf Wochensicht steht trotz des Rücksetzers vom Zwischenhoch noch ein Plus von gut zehn Prozent.

Ethereum kostet rund 2.690 Dollar und liegt im Tagesvergleich leicht im Plus. Solana zeigt mit etwa 116 Dollar und einem Zuwachs von gut einem Prozent etwas mehr Stärke. XRP steigt auf rund 1,54 Dollar. Der Markt steigt damit nicht geschlossen, sondern rotiert vorsichtig in ausgewählte Altcoins.

Die gesamte Marktkapitalisierung liegt nach CoinGecko-Daten bei etwa 2,9 Billionen Dollar. Bitcoin dominiert mit deutlich mehr als der Hälfte des Gesamtmarktes. Für eine breit angelegte Altcoin-Saison reicht diese Konstellation noch nicht. Kapital bleibt weiterhin stark beim Marktführer gebunden.

Um 10 Uhr fällt eine wichtige Absicherung weg

Die heute auslaufenden Deribit-Kontrakte umfassen nach den zuletzt erfassten Daten rund 14,9 Milliarden Dollar offenes Interesse. Davon entfallen etwa 8,3 Milliarden Dollar auf Kaufoptionen und 6,5 Milliarden Dollar auf Verkaufsoptionen. Das Verhältnis ist also leicht zugunsten der Calls verschoben.

Eine Call-Option gibt dem Käufer das Recht, Bitcoin zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Eine Put-Option sichert dagegen einen Verkaufspreis. Market Maker, die diese Verträge anbieten, gleichen ihr Risiko häufig durch Käufe oder Verkäufe am Kassamarkt und über Futures aus. Diese Absicherung kann den Kurs vor dem Verfall stabilisieren.

Nach der Abrechnung um 8 Uhr koordinierter Weltzeit fällt ein großer Teil dieser Positionierung weg. Genau deshalb kann die Phase nach 10 Uhr bewegter werden als der ruhige Morgen. Die oft genannte Max-Pain-Marke von etwa 75.000 Dollar ist dabei keine Kursprognose. Sie beschreibt lediglich das Niveau, an dem die meisten Optionen wertlos verfallen würden.

Hohe US-Renditen bremsen die Euphorie

Der zweite Belastungsfaktor kommt vom klassischen Finanzmarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist wieder über fünf Prozent gestiegen und erreichte laut Marktberichten den höchsten Stand seit 2007. Gleichzeitig verteuerte sich zeitweise Öl. Beides nährt die Sorge, dass die US-Notenbank länger streng bleiben oder die Zinsen weiter erhöhen könnte.

Hohe Anleiherenditen machen sichere Dollar-Anlagen attraktiver und ziehen Liquidität aus spekulativen Märkten. Bitcoin hat sich diesem Druck bislang erstaunlich gut entzogen. Das ist ein Zeichen relativer Stärke, aber kein Schutzschild. Sollte der Dollar weiter steigen oder die Rendite erneut springen, geraten hoch bewertete Altcoins meist stärker unter Druck als Bitcoin.

Was der Markt gerade wirklich einpreist

Die aktuelle Ruhe ist kein eindeutiges Kaufsignal. Händler warten auf die Abrechnung und auf neue US-Konjunkturdaten, bevor sie größere Risiken eingehen. Zugleich verhindern institutionelle Zuflüsse und die starke Wochenperformance bislang einen tieferen Rückfall.

Damit prallen zwei Kräfte aufeinander. Auf der positiven Seite stehen die Nachfrage nach Bitcoin, die Erholung seit der Vorwoche und einzelne starke Altcoins. Auf der negativen Seite stehen hohe Zinsen, ein fester Dollar und die Gefahr, dass nach dem Optionsverfall kurzfristige Absicherungen verschwinden.

Was Kleinanleger heute beachten sollten

  • Nicht auf die ruhige Eröffnung verlassen Die wichtigere Marktphase beginnt heute erst nach 10 Uhr deutscher Zeit.
  • Hebel klein halten oder meiden Schnelle Ausschläge können enge Positionen liquidieren, obwohl sich der Tageskurs später wieder erholt.
  • Bitcoin-Dominanz beobachten Bleibt sie hoch, können einzelne Altcoin-Gewinne schnell wieder abverkauft werden.
  • Limitorders prüfen Dünne Orderbücher und sprunghafte Bewegungen können zu schlechteren Ausführungspreisen führen.
  • Die Dollar-Renditen im Blick behalten Heute entscheidet nicht nur der Kryptomarkt über die Richtung.

Der Morgen bleibt stabil und der Vormittag wird entscheidend

Bitcoin geht mit einem soliden Wochenpolster in den Freitag. Ethereum und mehrere große Altcoins stabilisieren sich ebenfalls. Der eigentliche Belastungstest folgt aber erst mit dem Optionsverfall und den anschließenden Umschichtungen.

Für Anleger ist heute Geduld wichtiger als das Erraten einer einzelnen Kerze. Hält Bitcoin auch nach 10 Uhr den Bereich um 83.000 bis 84.000 Dollar, wäre das ein Zeichen, dass echte Nachfrage die jüngste Erholung trägt. Fällt diese Zone unter hohem Volumen, könnte die scheinbare Morgenruhe schnell in eine breitere Korrektur kippen.


Quellen

Disclaimer

Keine Anlageberatung: Dieser Artikel dient der journalistischen Information und Einordnung. Kryptowährungen und Kryptoderivate sind hochriskant. Kurse können stark schwanken, bei gehebelten Positionen droht der schnelle Totalverlust.

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