Mitarbeiter prüfen Zahlungskarten in einer Zahlungsabwicklungsstelle
Kontrolle verdächtiger Zahlungskarten / KI-Symbolbild

Polymarket unter Druck – Betrugsversuch über zehn Millionen Dollar wirft Fragen auf

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Ein Betrugsversuch über mindestens zehn Millionen Dollar bringt den Krypto-Prognosemarkt Polymarket unter Druck. Nach Recherchen des Wall Street Journal versuchten Täter im Februar, mit gestohlenen Debitkarten Guthaben auf der US-Plattform einzuzahlen, Wetten zu platzieren und Geld auf andere Konten abzuziehen. Wie viel tatsächlich erbeutet wurde, ist nicht geklärt.

Brisant sind nicht nur die Angriffe selbst, sondern die berichteten internen Entscheidungen. Mitarbeiter hätten vor Risiken gewarnt, während die Führung auf rasches Wachstum gedrängt habe. Polymarket weist den Eindruck mangelnder Verantwortung zurück und verweist auf nachträglich verstärkte Kontrollen. Es handelt sich um Vorwürfe aus einer journalistischen Recherche, nicht um gerichtlich festgestellte Verstöße.

Gestohlene Karten als Einfallstor

Laut der vom Fachmedium The Block zusammengefassten Recherche nutzten die Täter zahlreiche Konten auf Polymarket US. Der Zahlungsdienstleister Checkout.com habe zeitweise mehr als 80 Prozent der von ihm bearbeiteten Einzahlungsversuche als betrügerisch zurückgewiesen. Diese Quote beschreibt den betroffenen Zahlungsstrom zu einem bestimmten Zeitpunkt und nicht sämtliche Transaktionen der Plattform.

Die Angreifer wollten mit gestohlenen Karten finanzierte Wetten anschließend über andere Karten oder Konten auszahlen lassen. Gerade hier liegt die Schwachstelle solcher Systeme. Eine Auszahlung an eine andere Quelle kann die Verbindung zum ursprünglichen Zahlungsmittel verschleiern. Nach der Recherche lockerte Polymarket zeitweise eine Regel, wonach Auszahlungen an dieselbe Quelle wie Einzahlungen gehen sollten, um einen Rückstau legitimer Auszahlungen abzubauen.

Wachstum gegen Kontrolle

Ehemalige und aktuelle Mitarbeiter schilderten dem Wall Street Journal demnach einen Konflikt zwischen Compliance-Team und Unternehmensführung. Firmenchef Shayne Coplan soll Bedenken heruntergespielt und das Wachstum priorisiert haben. Polymarket erklärte hingegen, sich für faire und transparente Märkte einzusetzen und mit Aufsichts- sowie Strafverfolgungsbehörden zusammenzuarbeiten.

Eine interne Untersuchung durch eine Anwaltskanzlei sei laut der Berichterstattung zu dem Ergebnis gekommen, dass die gesetzlichen Anforderungen eingehalten wurden. Das ist eine wichtige Gegenposition. Zugleich ersetzt eine solche Prüfung nicht die öffentliche Aufklärung über die tatsächlichen Schäden und die Folgen für betroffene Nutzer.

Fast 500 Konten bei weiterem Angriff betroffen

Der Bericht beschreibt zudem einen getrennten Vorfall im Juli. Dabei seien knapp 500 Nutzerkonten durch eine Schwachstelle bei der Kontoanlage betroffen gewesen. Die Angreifer hätten gestohlene persönliche Daten verwendet, ohne Benutzernamen oder Passwörter kennen zu müssen. Polymarket habe zugesagt, Verluste betroffener Kunden zu übernehmen. Ein bestätigter Gesamtschaden liegt auch für diesen Vorfall nicht öffentlich vor.

Warum das für Krypto-Anleger wichtig ist

Polymarket setzt bei seinem internationalen Prognosemarkt auf Blockchain-Technik und Stablecoins. Der hier beschriebene Kartenbetrug betrifft jedoch ausdrücklich die US-Plattform und ihre Zahlungswege. Er ist kein Beleg dafür, dass eine Blockchain oder ein Stablecoin selbst gehackt wurde. Wer beide Ebenen vermischt, zieht die falsche Sicherheitslehre.

Die eigentliche Frage lautet, ob ein Betreiber bei starkem Wachstum Identitäten, Zahlungsquellen, Auszahlungen und ungewöhnliche Muster zuverlässig kontrolliert. Für Nutzer können schwache Kontrollen zu Betrug, eingefrorenen Auszahlungen oder verschärften Prüfungen führen. Auch deutsche Anleger sollten bei Prognosemärkten den Plattform- und Zahlungsdienstleister als eigenständiges Risiko betrachten, unabhängig davon, wie transparent die Blockchain-Transaktionen erscheinen.

Aufsicht und offene Fragen

Die US-Derivateaufsicht CFTC hatte Polymarket bereits 2022 wegen eines damals nicht registrierten Angebots von Ereigniskontrakten mit einer Geldbuße von 1,4 Millionen Dollar belegt. Die heutige US-Plattform ist davon rechtlich zu unterscheiden. Ob eine von Medien berichtete aktuelle Untersuchung der CFTC zu neuen Maßnahmen führt, bleibt offen; die Behörde bestätigt laufende Ermittlungen üblicherweise nicht.

Polymarket will nach eigenen Angaben Kontrollen und Führung verstärkt haben. Entscheidend wird nun, ob der Betreiber nachvollziehbar belegt, wie viele Zahlungen tatsächlich durchgingen, welche Nutzer betroffen waren und ob die neuen Sicherungen auch bei der nächsten Wachstumsphase greifen. Der Aufreger ist weniger eine pauschale Anklage gegen Krypto als ein Stresstest für die Schnittstelle zwischen Karte, Plattform und digitalen Märkten.


Quellen

Disclaimer

Keine Anlageberatung: Dieser Beitrag dient ausschließlich der journalistischen Information. Wetten auf Ereignisse und Kryptowährungen sind mit erheblichen Verlustrisiken verbunden. Ein Totalverlust ist möglich.

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