Smartphone mit politisch gestaltetem Kryptowährungs-Chart und steigenden Einnahmen
Tokenverkäufe, Gebühren und Stablecoins haben sich zu wichtigen Einnahmequellen im Kryptoimperium der Trump-Familie entwickelt.

Krypto als Familiengeschäft: So verdient der Trump-Clan an Memecoins und Macht

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Donald Trump versprach, die USA zur „Krypto-Hauptstadt der Welt“ zu machen. Gleichzeitig wurde Krypto zu einem der lukrativsten Geschäftsfelder seiner Familie. Das Geld fließt nicht nur, wenn Bitcoin steigt: Tokenverkäufe, Handelsgebühren, Stablecoin-Zinserträge, Unternehmensanteile und exklusiver Zugang bilden ein Geflecht, in dem politische Macht und privates Geschäft kaum noch sauber zu trennen sind.

Wie viel die Trump-Familie tatsächlich verdient hat, lässt sich nicht auf eine einzige belastbare Zahl reduzieren. Offizielle Finanzangaben erscheinen zeitverzögert, Unternehmensstrukturen sind verschachtelt und ein großer Teil des Vermögens besteht aus Token, deren Marktwert stark schwankt. Trotzdem zeigen öffentliche Dokumente und Recherchen, über welche Kanäle bereits echtes Geld geflossen ist.

1. World Liberty Financial: Geld aus dem Verkauf eigener Token

Das Zentrum des Kryptoimperiums ist World Liberty Financial. Donald Trump wird dort als Mitgründer emeritus geführt, Eric und Donald Trump Jr. treten als Web3-Botschafter auf, Barron Trump als „DeFi Visionary“. Hinter diesen ungewöhnlichen Titeln steht ein handfestes Erlösmodell: Eine mit der Familie verbundene Gesellschaft war laut veröffentlichten Projektunterlagen an einem großen Teil der Einnahmen aus dem Verkauf des WLFI-Tokens beteiligt.

In seiner Finanzoffenlegung für 2024 meldete Donald Trump Einnahmen von 57,36 Millionen Dollar aus World Liberty Financial. Außerdem führte er 15,75 Milliarden Governance-Token auf. Diese Zahl ist wichtig, weil sie den Unterschied zwischen Einnahme und Vermögenswert zeigt: Die 57 Millionen Dollar waren gemeldetes Einkommen. Der rechnerische Wert gehaltener WLFI-Token ist dagegen zunächst Papiervermögen und kann bei fallenden Kursen rasch schrumpfen.

Medien kamen später auf deutlich höhere Schätzungen für die gesamte Familie und ihre Partner. Solche Berechnungen beruhen jedoch teilweise auf Tokenpreisen, Beteiligungsquoten und nicht vollständig öffentlich bekannten Ausschüttungen. Wer von „Milliardenverdiensten“ spricht, muss deshalb dazusagen, ob tatsächlich realisierte Gewinne oder nur Marktwerte gemeint sind.

2. Der TRUMP-Memecoin: Verkauf, Gebühren und bezahlte Nähe

Der im Januar 2025 gestartete TRUMP-Token besitzt kaum einen wirtschaftlichen Zweck außerhalb der Marke und der Aufmerksamkeit rund um den Präsidenten. Genau diese Aufmerksamkeit wurde zum Produkt. Mit Trump verbundene Firmen kontrollierten beim Start 80 Prozent des gesamten Tokenbestands, dessen Freigabe über mehrere Jahre verteilt wurde.

Eine Analyse der Financial Times bezifferte die Erlöse des Projekts bereits im März 2025 auf mindestens 350 Millionen Dollar – überwiegend aus Tokenverkäufen, ergänzt durch Gebühren. Reuters errechnete allein für die ersten Wochen nahezu 100 Millionen Dollar Handelsgebühren für die Betreiber, während viele kleinere Käufer Verluste verbuchten. Wie viel davon letztlich Donald Trump persönlich oder einzelnen Familienmitgliedern zufloss, ist wegen der Firmenstruktur nicht vollständig transparent.

Besonders problematisch wurde die Konstruktion, als die größten Tokenhalter zu einem Abendessen mit dem amtierenden Präsidenten eingeladen wurden. Damit kaufte ein Investor nicht nur einen hochspekulativen Token. Der Bestand wurde faktisch zum Eintrittslos für politische Nähe. Weil Kryptowallets grenzüberschreitend und teilweise pseudonym genutzt werden können, lässt sich bei solchen Modellen nur schwer erkennen, wer aus welchem Interesse investiert.

3. USD1: Das stille Geschäft mit den Zinsen

Weniger spektakulär, aber möglicherweise nachhaltiger ist der Stablecoin USD1 von World Liberty Financial. Ein Stablecoin-Anbieter nimmt Dollar oder vergleichbare Vermögenswerte entgegen und gibt digitale Token aus, die möglichst stets einen Dollar wert sein sollen. Die Reserven können in kurzfristigen US-Staatsanleihen und Geldmarktanlagen liegen. Die daraus entstehenden Zinserträge verbleiben – abzüglich Kosten und Vereinbarungen – beim Anbieter.

Das Modell wird umso lukrativer, je mehr USD1 im Umlauf sind. 2025 wurde der Stablecoin für eine zwei Milliarden Dollar schwere Transaktion eines staatlich gestützten Investors aus Abu Dhabi mit der Kryptobörse Binance ausgewählt. Die Nutzer halten einen stabilen Token; der Emittent kontrolliert jedoch die ertragbringenden Reserven. So kann politisch geprägte Reichweite in einen fortlaufenden Zinsstrom verwandelt werden.

4. Eine halbe Milliarde aus Abu Dhabi

Im Februar 2026 wurde bekannt, dass eine mit Scheich Tahnoon bin Zayed al-Nahyan verbundene Investorengruppe kurz vor Trumps Amtsantritt 49 Prozent an World Liberty Financial für 500 Millionen Dollar gekauft haben soll. Tahnoon ist nicht nur ein Investor, sondern nationaler Sicherheitsberater der Vereinigten Arabischen Emirate.

Der Vorgang ist politisch brisant, weil die US-Regierung später Entscheidungen traf, die den Zugang der Emirate zu fortschrittlichen KI-Chips betrafen. Daraus folgt nicht automatisch, dass eine konkrete Gegenleistung vereinbart wurde. Doch schon die Möglichkeit eines solchen Eindrucks zeigt das Grundproblem: Ein ausländischer Akteur kann zugleich Geschäftspartner der Präsidentenfamilie und Verhandlungspartner der US-Regierung sein.

5. Zugang wird selbst zum Geschäftsmodell

Im März 2026 berichtete Reuters über ein Angebot von World Liberty Financial, das Investoren bei einem sechsmonatigen Bestand von WLFI-Token im Wert von fünf Millionen Dollar „garantierten direkten Zugang“ zu Führungskräften und Geschäftsentwicklern versprach. Selbst wenn damit nicht ausdrücklich ein Treffen mit Regierungsvertretern gemeint war, verkauft ein Unternehmen mit engsten Verbindungen zur Präsidentenfamilie damit mehr als Software oder Finanztechnik: Es verkauft Zugang zu einem machtvollen Netzwerk.

Die Mechanik ähnelt dem Memecoin-Dinner. Token werden nicht allein wegen ihres technischen Nutzens attraktiv, sondern weil Käufer hoffen, Nähe, Aufmerksamkeit oder geschäftliche Chancen zu erhalten. Der politische Name steigert damit den Wert des privaten Produkts.

6. American Bitcoin: Beteiligung statt eigener Coin

Eric Trump und Donald Trump Jr. engagierten sich zudem beim Bitcoin-Mining-Unternehmen American Bitcoin. Hier entsteht der mögliche Gewinn klassischer: über Unternehmensanteile, den Börsenwert der Gesellschaft und die von ihr geschürften oder gehaltenen Bitcoin. Auch dieses Geschäft profitiert von einer kryptofreundlichen Regulierung und steigenden Kursen, ist aber stärker den üblichen Risiken eines börsennotierten Unternehmens ausgesetzt.

Das Beispiel zeigt, wie breit die Familie das Thema inzwischen besetzt: vom spekulativen Memecoin über DeFi und Stablecoins bis zum Mining und zu Kapitalmarktprodukten. Sinkt ein Bereich, können andere weiterhin Gebühren oder Zinserträge erzeugen.

Das eigentliche Problem ist der Interessenkonflikt

Es ist nicht grundsätzlich verwerflich, mit Kryptowährungen Geld zu verdienen. Das Problem beginnt dort, wo der mächtigste politische Entscheidungsträger der USA Regeln, Behördenpersonal und strategische Kryptoentscheidungen beeinflusst, während seine Familie am selben Markt verdient.

Die Trump-Seite weist die Vorwürfe zurück. Das Weiße Haus argumentiert, die Vermögenswerte lägen in einem von den Kindern verwalteten Trust und sämtliche Offenlegungspflichten würden eingehalten. Kritiker entgegnen, dass ein Trust ohne vollständigen Verkauf der Beteiligungen den wirtschaftlichen Nutzen für die Familie nicht beseitigt.

Hinzu kommt ein asymmetrisches Risiko: Die Betreiber verdienen an Verkäufen und Gebühren, während Anleger das Kursrisiko tragen. Bei Stablecoins können die Emittenten Zinserträge behalten, während Nutzer lediglich den Nennwert des Tokens erhalten. Ausländische Investoren wiederum können große Summen in ein Familienunternehmen lenken, während sie gleichzeitig politische Anliegen in Washington verfolgen.

Fazit: Der Name Trump ist zur Krypto-Infrastruktur geworden

Die Trump-Familie verkauft nicht einfach Kryptowährungen. Sie monetarisiert Marke, politische Reichweite, Tokenknappheit, Gebühren, Dollarreserven und Zugang. Das macht das Geschäft widerstandsfähiger als einen einzelnen Coin – und den Interessenkonflikt größer.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wie viele Millionen oder Milliarden die Familie verdient. Entscheidend ist, ob Marktteilnehmer Geld investieren, weil ein Produkt wirtschaftlich überzeugt – oder weil der Präsident der Vereinigten Staaten und seine Regierung unmittelbar danebenstehen.


Quellen


Disclaimer

Keine Anlageberatung: Dieser Beitrag dient ausschließlich der journalistischen Information. Er stellt keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Kryptowährungen, Token, Aktien oder sonstigen Finanzprodukten dar. Angaben zu Unternehmenswerten und Tokenbeständen können stark schwanken; Schätzungen aus Medienberichten sind von offiziell ausgewiesenen Einnahmen zu unterscheiden.

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