Hand hinter Gefängnisgittern greift nach einem Begnadigungsdokument vor fallendem Kryptochart
Sam Bankman-Fried beantragt eine Begnadigung nach Verbüßung seiner Haftstrafe. Symbolbild.

FTX-Gründer bittet Trump um Begnadigung: Wird der Milliardenbetrug politisch reingewaschen?

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Der verurteilte FTX-Gründer Sam Bankman-Fried bittet US-Präsident Donald Trump offiziell um eine Begnadigung. Das Gesuch ist beim US-Justizministerium unter der Fallnummer P338490 als „anhängig“ registriert. Ausgerechnet der Mann, dessen Kryptobörse Milliarden an Kundengeldern verspielte, hofft damit auf eine politische Reinwaschung seiner Verurteilung.

Bankman-Fried wurde im März 2024 wegen Betrugs und Verschwörung zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt. Zusätzlich ordnete das Gericht den Verfall von Vermögenswerten in Höhe von 11,02 Milliarden US-Dollar an. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete den FTX-Zusammenbruch als einen der größten Finanzbetrugsfälle der Geschichte.

Keine sofortige Freilassung, aber ein mächtiges Symbol

Juristisch ist eine wichtige Unterscheidung nötig: Bankman-Fried beantragt nach Medienberichten keine Verkürzung seiner laufenden Haftstrafe. Sein Antrag zielt auf eine vollständige Begnadigung nach Verbüßung der Strafe. Eine unmittelbare Freilassung verlangt er damit nicht.

Harmlos ist der Vorstoß trotzdem nicht. Eine Begnadigung ist mehr als ein freundlicher Verwaltungsakt. Sie würde dem ehemaligen FTX-Chef nach seiner Haft einen Teil der rechtlichen und gesellschaftlichen Folgen der Verurteilung nehmen. Für viele frühere FTX-Kunden dürfte bereits die Vorstellung schwer erträglich sein, dass ein politischer Federstrich den Milliardenbetrug eines Tages symbolisch aus der Welt schaffen könnte.

Selbstverständlich hat auch ein rechtskräftig Verurteilter das Recht, ein Gnadengesuch zu stellen. Die entscheidende Frage lautet jedoch, warum ein solcher Fall politisch bevorzugt behandelt werden sollte. Bankman-Fried war kein naiver Gründer, dessen Unternehmen zufällig scheiterte. Eine Jury sprach ihn in sieben Anklagepunkten schuldig. Nach Darstellung der US-Justiz nutzte er Kundengelder unter anderem für riskante Geschäfte, Immobilien, politische Spenden und den Ausbau seines Firmenimperiums.

Trump hat Krypto-Verurteilte bereits begnadigt

Brisant wird der Antrag durch die bisherige Gnadenpolitik Trumps. Der Präsident begnadigte bereits Silk-Road-Gründer Ross Ulbricht und den früheren Binance-Chef Changpeng Zhao. Die Fälle sind rechtlich nicht identisch: Zhao hatte sich wegen Verstößen gegen US-Geldwäschevorschriften schuldig bekannt und eine vergleichsweise kurze Haftstrafe verbüßt. Bankman-Fried wurde dagegen wegen eines weitreichenden Betrugssystems verurteilt.

Doch genau diese Vorgeschichte dürfte Bankman-Frieds Lager Hoffnung machen. Der frühere FTX-Chef hat sich nach seiner Verurteilung öffentlich neu positioniert, die Biden-Regierung kritisiert und Nähe zu republikanischen Argumenten gesucht. Ob das Überzeugung, Strategie oder beides ist, kann niemand sicher beurteilen. Der Zeitpunkt wirkt jedenfalls wenig zufällig.

Der tote FTX-Token springt wieder an

Wie irrational Kryptomärkte auf politische Schlagzeilen reagieren können, zeigt der FTX Token. FTT stieg am Dienstagmorgen laut CoinGecko innerhalb von 24 Stunden zeitweise um rund 32 Prozent auf etwa 0,31 Dollar. Der Token gehört zu einer zusammengebrochenen Börse, hat kaum noch einen nachvollziehbaren wirtschaftlichen Nutzen und bleibt dennoch ein Spielball für Spekulanten.

Eine Begnadigung würde weder FTX wiederbeleben noch dem Token ein tragfähiges Geschäftsmodell geben. Der Kurssprung ist daher keine Neubewertung eines funktionierenden Projekts, sondern eine Wette auf Aufmerksamkeit. Wer hier einsteigt, handelt nicht aufgrund fundamentaler Daten, sondern auf Basis politischer Gerüchte und kurzfristiger Marktpsychologie.

Ein fatales Signal für die Kryptobranche

Die Kryptobranche kämpft seit Jahren darum, nicht länger pauschal mit Betrug, Casino-Mentalität und politischer Einflussnahme gleichgesetzt zu werden. Eine bevorzugte Behandlung Bankman-Frieds wäre deshalb ein fatales Signal. Sie würde den Eindruck nähren, dass gute politische Kontakte am Ende wichtiger sind als Verantwortung gegenüber Kunden.

Bitcoin, dezentrale Netzwerke und seriöse Kryptounternehmen brauchen keine Schonung für Betrüger. Im Gegenteil: Wer Kundengelder missbraucht, schadet nicht nur den unmittelbar Betroffenen, sondern beschädigt das Vertrauen in eine gesamte Technologie. Krypto-Freiheit bedeutet Eigenverantwortung und klare Eigentumsrechte. Sie bedeutet nicht, dass prominente Täter über politische Hintertüren ihre Vergangenheit abschütteln dürfen.

Noch ist über den Antrag nicht entschieden. Das US-Justizministerium führt ihn lediglich als anhängig. Doch schon das Gesuch zeigt, wie schnell aus einem der größten Kryptoskandale wieder ein politisches Geschäft werden kann. Eine Begnadigung Bankman-Frieds wäre kein Dienst an Bitcoin oder der Kryptobranche, sondern eine Ohrfeige für alle, die für den FTX-Kollaps bezahlt haben.


Quellen

Disclaimer

Keine Anlageberatung: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und Einordnung. Er stellt keine Finanz-, Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Kryptowährungen und insbesondere Token insolventer oder nicht mehr operativ tätiger Projekte sind hochspekulativ; ein Totalverlust ist möglich.

Kommentare

Ein Kommentar zu „FTX-Gründer bittet Trump um Begnadigung: Wird der Milliardenbetrug politisch reingewaschen?“

  1. […] eingereicht. Der Antrag wird unter der Fallnummer P338490 als anhängig geführt. Wie die Coinzeitung ausführlich berichtet, richtet sich die Hoffnung des einstigen Krypto-Milliardärs damit an US-Präsident Donald […]

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